42113. Warum
‚Loslassen’ ein Gummiband ist
Und: Das Geheimnis hinter
‚Herausblas-Aktionen’
Manchmal kann man den guten Rat hören, dass alles, was man tun muss, ist ‚loslassen’.
Das ist wahrlich ein
ausgezeichneter Rat!
Wenn es funktionieren
würde, gäbe es keine Drogenprobleme, keine Eifersucht. Keine Kriege, und die
Beerdigungs-Institute könnten keine Eichensärge verkaufen ...
‚Sucht’ besteht aus
zwanghaften Wünschen, die mit dem augenblicklichen Moralkodex in Konflikt
stehen.
Technisch gesehen
gibt es keinen Unterschied zwischen der Struktur eines tiefsitzenden Wunsches,
eine Haus zu besitzen, und den brennenden Wünschen eines Sexualverbrechers.
Ersterer wird
wahrscheinlich durch Zinsenzahlungen ruiniert und für den Rest seines Lebens eingesperrt.
Letzterer endet wahrscheinlich als ein zum Tode Verurteilter hinter Gittern und
mag nach einem Jahr oder weniger begnadigt und wieder freigelassen werden.
‚Loslassen’ ist so
wie wenn man einen Stein an einem Gummiband herunterhängen lässt. Der Drang –
welcher auch immer er ist – wird dort unten in der Schwebe sein und hin und her
schwingen und darauf warten, wieder zuzuschnappen.
Viele Menschen haben
das Geschenk eines ‚starken Willens’. Sie können den zwanghaften Willen
wegdrängen.
Verglichen mit
dieser Beschreibung ist ein gespannter Revolver sehr schwer abfeuerbar. Der
Wunsch muss ständig weggedrängt werden, und die kleinste Unachtsamkeit wird das
ausgedehnte Gummiband direkt ins Gesicht des Unglücklichen zurückschnappen
lassen.
Je ‚stärker’ der
Wille, umso stärker kann man auf diese Weise verletzt werden. Eine
antriebslose, mehr oder weniger hin und her treibende Person ändert ihren
‚Willen’ wie eine Fahne im Wind und hat kein Problem damit.
Eine Änderung dieser
Gummiband-Dehnung ist für Tausende von Jahren angepriesen worden und
funktioniert in Verbindung mit einem anderen Prozess (und NUR dann!!):
Den Wunsch verdrängen und ihn anscheinend
über längere Zeit
ausbluten lassen (ohne irgendwelche
Restimulationen).
‚Anscheinend’ darum,
weil der weggedrängte Wunsch nicht von selbst ausblutet. Wenn nichts anderes
gemacht wird, würde der Wunsch WACHSEN, wie bei einer infizierten Wunde, die
unter einem festen Verband mit der Zeit immer schlimmer wird, außer der Verband
wird geöffnet und die Wunde richtig behandelt.
Ein geeigneter Weg,
den Wunsch zu ‚behandeln’, kann sein, sich mit den vier ganzheitlichen
Zuständen des Geistes zu beschäftigen (Liebe teilen, Belastendes auflösen,
Freude teilen und Gleich-gültigkeit). Dieser Weg funktioniert allerdings nur,
wenn die Zustände tatsächlich eingenommen werden. Menschen, die sich dem
furchtbaren Glauben verschrieben haben, dass ‚alles Leben Leiden sein würde’
(siehe ‚Die verheerenden Falschübersetzungen des Wortes „dukkha“) können diese
Zustände nicht ausreichend einnehmen, um ihre Wunden zu heilen. Denn wenn sie
sie heilen würden, würden sie (und die anderen Wesen) glücklich, und das würde
bedeuten, sie hätten Unrecht zu sagen ‚alles Leben ist Leiden’ (quod erat
demonstrandum).
Eine Vorgehensweise,
die tatsächlich gut funktioniert, wird von NLP-Lehrern angeboten. Sie nennen es
treffend einen ‚Herausblas-Prozess’. Nachdem sie genügend innere Wunden bei
ihren Klienten gesehen haben, erkennen sie die Gefahr des Gummibands und
betonen, diesen Prozess nicht bei sich selbst zu benutzen.
Grob vereinfacht:
Der ‚Herausblas-Prozess’ bringt die Klienten (ob bezahlend oder nicht) dazu,
ihre Wünsche maßlos zu übertreiben – egal, in welcher entsprechenden
Unterstufung –, wie Größe, Gewicht, Geruch, Geräusch etc. Wenn Entfernung
und/oder Bewegung dazu gehören, werden diese Umstände auch mit berücksichtigt.
An einem bestimmten
unvorhersagbaren Punkt des ‚Herausblas-Prozesses’ fliegt das gesamte Objekt des
Wunsches weg – in welche Richtung auch immer, und bläst die ursprüngliche
Bindung anscheinend weg.
Dieses ist natürlich
das klassische Muster eines Anfangsprozesses. Und solange der entsprechende
Wunsch nicht krimineller überlebensfeindlicher Natur ist, gibt es keinen Grund,
ihn bei der Selbstbehandlung zu benutzen. Schlimmstenfalls kann passieren, dass
der Herausblas-Prozess nicht klappt. Jetzt kauft der Kettenraucher vier
Packungen am Tag, statt drei, und vergrößert die Steuereinnahmen des Staates.
Was passiert jedoch
genau? Und was ist das Geheimnis hinter Herausblas-Aktionen?
Es könnte
folgendermaßen gesehen werden:
Wenn man ein Modell
benutzt, könnte man sagen, dass wenn ein Wesen einen Wunsch (tanha) erschafft,
dann arbeitet der Wunsch wie ein Strahl eines Hologramm-Generators. Er hat eine
Richtung und Intensität und wird alles aktivieren, das auf seinem Weg
mitschwingt. Wenn er im Universum etwas Mitschwingendes gefunden hat, würde er
zufriedengestellt und sich dann auflösen.
Ein Problem wäre es,
wenn es ein Eingreifen gibt, bevor der Wunsch erfüllt würde. Der böse Schnitter
kommt und schneidet den Kopf der Person ab, oder ein gehässiger Mensch
versucht, den Wunsch der Person auf irgendeine Weise zu verhindern.
Wenn das Wesen sich
dann nach diesem Schlag sich wieder aufgesammelt hat, hat es das Ziel des
ursprünglichen Wunsches vergessen und kann es nicht einfach auflösen. Oder wenn
es das könnte, ist es zu faul, das zu tun.
Je mehr alte Wünsche
sich aufstapeln, umso weniger können sie unterschieden werden. Wenn sie dann
zur Störung werden, scheint es für das Wesen einfacher zu sein, einen NEUEN
Wunsch zu erschaffen, der die Wirkung des Wunsches mit dem vergessenen Ziel
aufhebt.
Das mag so aussehen:
Dieses ist eine
verzwickte Situation: Eine einzelne Richtung funktioniert wie ein Gummiband.
Das ‚Loslassen’ einer einzelnen Richtung ist zwecklos. Und ‚Wegdrängen’ ist
ziemlich gefährlich. Zusätzliche Richtungen (Wünsche) zu benutzen wäre eine
vorübergehende Lösung, fügt aber eine weitere Richtung hinzu. Ein typisches
Exemplar der Spezies Mensch mag Tausende oder noch mehr dieser Konstruktionen
haben. Und diese Vereinfachung zieht noch nicht mal die Menge an Trauer und
Problemen (‚Ladung’) in Betracht, die sich aufgrund dieser verrückten Situation
vor dem armen Kerl auftürmt.
Wie und warum funktioniert
das ‚Herausblasen’?
Die Lösung ist so
trivial, dass es einen wahrhaftigen und furchtlosen Genius mit einer gehörigen
Portion von unkritischem, übermäßigem Vertrauen erfordert, um sie zu finden:
Wenn ein Wunsch
vollkommen zufriedengestellt ist, wird er aufhören zu existieren. Wenn der
grundlegende Wunsch nicht zu verdeckt ist und mit einem Erinnerungs-Prozess
enthüllt werden kann, wird durch die Vorstellung des Wunschobjektes eine
gewisse Zufriedenstellung erreicht. Durch die inneren Filter wird es jedoch
gewöhnlich nicht ausreichen. Das Wahrnehmungssystem mit einer ähnlichen
Eingabe, die die Wunschrichtung erwartet, zu überladen, kann eine Schwelle
erreichen, wo die einzelne Richtung weggeblasen oder jede Kombination in Stücke
gerissen wird. Wenn die Stücke immer noch zu groß sind, kann man den Prozess im
kleineren Maßstab wiederholen.
Noch einmal: Wenn
man dieses Modell benutzt, ergeben sich mehrere Möglichkeiten:
Unter den richtigen
Umständen (besonders, wenn richtig angewandt) können Teile innerhalb des Netzes
von Wünschen durch vorübergehendes Aufgeben von allem oder durch Übergabe an
eine höhere Autorität zusammenstürzen. Beispiele für diese, sagen wir,
‚Hingabe-Prozesse’ sind Subhuds latihan, Hindu Bhakti und einige Formen
christlicher Verehrung.
Das Problem mit
diesen Prozessen ist, dass sie die Dinge verschlimmern können, wenn sie falsch
angewandt werden. In dem Fall ist die Netzkonstruktion sogar noch verfestigter
und verankert als vorher. Und es wird immer schwieriger, selbst kleine Teile
herauszubrechen.
Gotamo schlug eine
Abkürzung vor: das Projizieren der grundlegenden Aufmerksamkeits-Schwingungen
in die Richtung der Konstruktion – wenn korrekt und lange genug durchgeführt –
erreicht den ursprünglichen Wunsch und stellt ihn zufrieden und führt zu seiner
Auflösung. Wenn die Projektion der grundlegenden Schwingungen das Netz der
Wünsche mit gleicher Stärke und keiner Bevorzugung einer Richtung durchdringt,
werden Wunsch und Gegenwunsch jeder Konstruktion mit gleicher Stärke getroffen
und aufgelöst.
Die gute Nachricht
ist, dass dieses Prinzip bei jeder Art von Wunsch, Entität, Kreislaufdenken ...
funktioniert.
Die schlechte
Nachricht ist, dass – obwohl einfach genug – dieses schwer zu erlernen oder
sogar anderen mitzuteilen ist (es wird einen Versuch in einem anderen Kapitel
geben).
Prinzipiell ist
alles, was ein ‚Wunsch’ braucht, Aufmerksamkeit. In einem geladenen Fall
ist jede Aufmerksamkeit überladen und verhindert ‚saubere’ Aufmerksamkeit,
außer der Wunsch ist umfang- und energiemäßig – verglichen mit dem Wesen – sehr
klein. Dieser Umstand wird beim ‚Entitäten-Klären’ benutzt, wo ein einzelnes
Blinzeln von Aufmerksamkeit genügen kann, um das Wunschfragment oder des
Entitäten-Bündel zu klären. Es jedoch in Grundschwingungen aufzuteilen macht es
leichter. Und indem man diese
durchläuft, wird die Aufmerksamkeit des Wesens gesäubert, bis im Zustand von
‚Gleich-gültigkeit’ reine Aufmerksamkeit ohne das Anhaften von Wünschen gegeben
werden kann.
Heutzutage können
zeitgenössische Techniken ausgesprochen hilfreich beim Klären des Verstandes
sein, bis die Grundschwingung und schließlich reine Aufmerksamkeit angewandt
werden können. Diese Techniken, die augenblicklich in Flemming Funchs Transformations-Prozessen gut verständlich
beschrieben und zusammengestellt wurden, erfordern einen trainierten und
geschulten Förderer für einige, aber nicht alle Säuberungsarbeiten.
Ein Nachteil bei
modernen Systemen ist, dass das Wesen seinen Fortschritt stoppt, wenn es nichts
mehr erkennt, das anders als es selbst ist. Das kann dazu führen, viel zu früh
‚vom Licht geblendet’ zu sein.
Eine Lösung wäre,
die im ‚Anatta (Nicht-Selbst) Prinzip’ beschriebene Methode mit den heutigen
stufenweisen aufgebauten Methoden zu verbinden. Das Einnehmen der erweiternden
Geistzustände, die zu ungeteilter Aufmerksamkeit führen, vergrößern das
‚Nicht-selbst’-Bewußtsein als Nebenwirkung.
Die grundlegendste
(und stärkste) Schwingung, die benutzt werden kann, ist ‚Liebe’ (auf Pali:
Metta, altgriechisch: Agape, alt-hochdeutsch: Minne). In der englischen und
deutschen Sprache heißt Liebe alles – von den Aktivitäten eines Pornofilms bis
hin zu göttlicher Liebe. Aufgrund einer überraschenden linguistischen
Degeneration sind Wörter, die einst benutzt wurden, um ‚Liebe’ als Grundschwingung
von Aufmerksamkeit zu beschreiben, in den meisten modernen Sprachen verloren
gegangen. Dasselbe trifft darauf zu, das als ‚Mitgefühl’ (engl. compassion)
bekannt ist, das nicht bedeutet, mit oder für eine andere Person zu leiden,
sondern man strahlt Vertrauen in die Heilungsfähigkeit des anderen (oder in
sich selbst) aus. ‚Freude teilen’ ist die dritte grundlegende Schwingung und
hat noch nicht mal einen pervertierten Namen in englischer und deutscher
Sprache. Sie könnte auch Vertrauen in das positive (glückliche) Gelingen von
dem, das geschieht, angesehen werden.
Aus einer anderen
Perspektive wird ungeteilte reine Aufmerksamkeit manchmal ‚Friede in Gott’
genannt. Wenn man für einen Moment die gemeinsame Anstrengung gieriger Priester
vergessen würde, die an Konzepten und Verdrehungen von Wörtern seit fast zwei
Jahrtausenden herumgeschroben haben, dann könnte man sogar schätzen, was jemand
mit dem Namen Paul an seine Kumpel in Korinth geschrieben hat – eine Stadt mit
vielleicht der größten Anzahl von Tempel-Prostituierten, die jemals ihrem
göttlichen Werk innerhalb einer Stadt nachgegangen sind. (Anmerkung: Paul
gebrauchte natürlich das Wort ‚Agape’ und nicht ‚Eros’.)
Er schrieb:
Vertrauen, Liebe und
Zuversicht: diese drei.
Am größten aber unter ihnen ist die Liebe.
Kor. 13.13.